Jahresbericht 2016

Stiftungsleistungen

Mobile Kinderkrankenpflege

Um mit dem viel zitierten Satz zu beginnen: “Wenn es die Mobilie Kinderkrankenpflege nicht gäbe müsste man sie erfinden.“ Die Einrichtung des Diakonischen Werks Hessen ist einfach nicht mehr wegzudenken. Der Zustrom von flüchtenden Schwangeren aus den Krisengebieten im Nahen Osten und die damit ausgelösten Geburtenanstiege von kranken und behinderten Kindern tun ein Übriges. Da die Cronstett und Hynspergische ev. Stiftung und die Berner Stiftung von Anfang an erkannt haben, welches Potenzial in der Mobilen Kinderkrankenpflege steckt und seit Jahren diese Einrichtung finanziell unterstützen, sind auch 2016 wieder Mittel bereit gestellt worden.

Foto: Diakonie Hessen

Die Berner Stiftung zu Gast im Städel

Das Angebot der Berner Stiftung, Förderschüler zu einem Museumsbesuch einzuladen, erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Im Jahr 2016 haben 144 Schülerinnen und Schüler aus den Frankfurter Förderschulen mit Ihren Lehrern, einen Tag im Städel verbracht.

Nein, als einen herkömmlichen Ausflug kann man das gerade nicht bezeichnen. Zu Gast im Städel zu sein, ist für die meisten unter den Schülerinnen und Schülern eine Reise in eine ganz andere unbekannte Welt.

Die Kunstpädagoginnen bereiten sich speziell auf ihre Besucher vor. Ganz individuell in besonders kleinen Gruppen werden die Schüler an die Kunstwerke und damit auch an eine für sie meist noch verborgene kulturelle Sichtweise herangeführt. Dabei ist immer wieder festzustellen, wie schnell sie sich aktiv mit Fragen und Antworten einbringen. Der Vormittag ist kein langweiliger Museumsbesuch. Das ist ein spannender Morgen mit lebhafter Diskussion und Interpretation in der Auseinandersetzung mit dem Medium Kunst in jugendlicher Betrachtungsweise.

Foto: Berner-Stiftung

Auch nach dem Lunch geht die Diskussion weiter. Jetzt beginnt die schöpferische Arbeit in den Studios des Städels. Unter fachlicher Anleitung kann nunmehr jeder einmal selbst mit professionellen Malutensilien umzugehen lernen. Teilweise entstehen erstaunliche „Kunstwerke“.

Von der Lehrerschaft wird erneut bestätigt, dass der Städelbesuch eine Vielzahl von Anregungen im Unterricht hinterlässt, die teilweise über Monate hin, immer wieder themenbezogen beispielhaft genutzt werden.
Die Berner Stiftung sieht sich in der Fortsetzung des Besuchsangebots, den Förderschülern auch die Möglichkeit zu geben, das Städel zu besuchen, bestätigt.

Foto: Berner-Stiftung

Wir danken dem Städel-Museum für die großartige Unterstützung und Bereitschaft, das Projekt in vielfältiger Weise zu begleiten.

Therapeutisches Reiten für schwerstbehinderte Kinder

Die Mosaikschule in Frankfurt (Main)-Höchst, setzt therapeutisches, heilpädagogisches Reiten für schwerstbehinderte Kinder als essenzielles Medium für die Persönlichkeitsentfaltung und Integration in die Gruppen, seit Jahren mit großem Erfolg ein.

Zusammen mit dem Verein zur Förderung der Integration Behinderter in Oberursel im Taunus, finden regelmäßige Reitstunden statt. Die zum Teil mit autistischen Wesenszügen belasteten äußerst empfindsamen Kinder öffnen sich in erstaunlicher Weise durch den Kontakt mit den handzahmen Pferden (meist Ponys), dauerhaft. Dies hilft aus den Erfahrungen der Lehrerschaft bei der Integration in den Klassenverbund. Aufgrund der erheblichen Kosten die für Therapeutisches Reiten aufzuwenden sind, sieht sich das Staatliche Schulamt außerstande entsprechende Mittel bereitzustellen. Aufgrund einer längerfristigen Zusage der Stiftung, wurde auch 2016, der therapeutische Reitunterricht unterstützt. Dies war jedoch aus mehrfach bekannten Gründen, leider letztmalig.

Foto: VZF Taunus.

Theater-Projekt als Therapiekonzept in der sozialen und emotionalen Entwicklung

Die Fritz-Redl-Schule, (ehemals Euckenschule) im Westen von Frankfurt hat einen Sonderstatus unter den Förderschulen. Hier werden einerseits verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche aus den unterschiedlichsten Milieus, mit der Prämisse des Rückschulungsauftrags unterrichtet und andererseits aber auch aktive Hilfestellung zu einer erfolgreichen Berufsorientierung gegeben. Ein sehr schwieriges Terrain. Die Schule steht jedoch unter einer sehr kompetenten Leitung. Herr Bernd Häuslein, selbst aus einem komplizierten Elternhaus, entwickelt stets neue Ideen und stellt sich den Herausforderungen des Schulalltags mit großem Erfolg.

Die ansprechende und vielseitig verwendbare Aula der Schule hatte seither einen eklatanten Schönheitsfehler. Stühle gab es genug, Beleuchtung, auch eine vernünftige Audioanlage, aber keine richtige Bühne mit Vorhang und den sonstigen Utensilien, die man zum Theaterspielen vor Publikum benötigt, die für das Musizieren in der Gemeinschaft wichtig sind. Die die Ecken und Kanten in der sozialen und emotionalen Entwicklung abschleifen helfen.
Alle zusammen, die Berner Stiftung mit finanziellen Mitteln, Eltern, Schüler und Lehrer mit dem notwendigen Enthusiasmus und mit Eigeninitiative, haben es geschafft, eine Theaterbühne entstehen zu lassen.

„Colours of girls“ - bunt und kreativ durch die Osterferien

Unter diesem „Aufmacher-Motto“ stand das Osterprojekt der FEM Mädchentreff in Frankfurt, in 2016. Als Ziel des Projekts war die Parole ausgegeben worden, möglichst selbstständig alle Vorgaben und Regeln zu beachten, ohne die ein vernünftiges Miteinander einfach undenkbar ist. Zuerst ging es mit der Gruppe zu einer Exkursion nach Wiesbaden. Übernachten in der Jugendherberge, die Landeshauptstadt kennen lernen, sich alleine zurecht finden, Kinobesuch ohne Eltern, sich im Lokal ordentlich zu benehmen, einfach selbständig zu sein, all das stand auf der Agenda. Beim Besuch der Mädchenwerkstatt gab es natürlich auch einen Kreativ-Workshop im Umgang mit Mosaiken, Kacheln etc. jede konnte sich ein kleines Kunstwerk selbst zusammenzimmern und bemerkenswerte Arbeiten mit nach Hause nehmen.

Foto: FEM Mädchenhaus

Der zweite Teil des Osterprojekts fand wieder in Frankfurt statt und bestand aus einer Anzahl unterschiedlicher Workshops, bei denen jedoch immer die Förderung handwerklicher Fähigkeiten im Vordergrund stand. Beim Schubladen-Recycling ging es darum aus alten Schubladen ein Regal zu bauen, In „Stoffträume werden wahr“ wurde der Umgang mit der Nähmaschine geübt und ein eigener Turnbeutel entworfen und zusammengenäht.
Besondere Kreativität war im Fotografie-Workshop gefordert. Nicht nur der Umgang mit dem Medium Kamera und deren Equipment, sondern auch die Ausgestaltung der fotografischen Location, das Herstellen von Farbeffekten und vieles mehr führte bei den Shootings unter fachlicher Anleitung einer Fotografin zu heißen Diskussionen in der Ausgestaltung. Es war erneut eine rundherum perfekte Ferienfreizeit in der in spielerischer Weise wieder eine Anzahl von berufsbezogenen Betätigungsfeldern von den Mädchen ausprobiert werden konnten.

Foto: FEM Mädchenhaus

Frau Sigrid Berner hat schon vor der Stiftungsgründung, zusammen mit ZONTA-Damen die FEM finanziell in ihrer Arbeit unterstützt.

I z S - Sonderpreis der Medizin für das Forschungsteam von Frau Prof. Dr. med. Simone Fulda

Das außergewöhnlich hohe Engagement des Forschungsteams im Institut für experimentelle Tumorforschung in der Pädiatrie, in der Goethe-Universität Frankfurt am Main, unter der Leitung von Frau Prof. Dr. med. Simone Fulda wurde am 9.9.2016 mit dem I z S-Sonderpreis der Medizin, den die Berner Stiftung in der Kooperation mit der Ingrid- zu-Solms-Preisstiftung sporadisch auslobt, ausgezeichnet. Das Preisgeld beträgt € 10.000,–

Prof. Simone Fulda, Mitglied im Deutschen Wissenschaftsrat, hat in Ihrem Institut mittlerweile ein Team aus jungen Nachwuchswissenschaftlern in der Fachrichtung Medizin, aller Couleur und Nationalitäten zusammengestellt, das im Bereich der Tumorforschung in der Pädiatrie eine sehr erfolgreiche Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Immuntherapie in einer großen Universitätsklink betreibt.

Foto: Sabine Antonius

Die Zusammenarbeit beider Stiftungen auf diesem Sektor ist mittlerweile zur Tradition geworden. Der hochkarätig besetzte Expertenkreis Medizin, der Ingrid zu Solms Stiftung ist der Garant, dass die richtigen preiswürdigen Wissenschaftler für eine solche Preisverleihung ausfindig gemacht werden. Durch den hohen Bekanntheitsgrad der Ingrid zu Solms Stiftung erfreuen sich die Preisverleihungsveranstaltungen immer einer großen Besucherzahl und eines besonderen Medieninteresses. Dies wiederum ist auch für die Berner Stiftung von Vorteil und steigert ihren Bekanntheitsgrad ebenfalls.

Wir danken der Ingrid zu Solms Stiftung und insbesondere Dr. med.Gräfin zu Solms- Wildenfels für ihren unermüdlichen Einsatz, die uns bei diesem Projekt unterstützend zur Seite stand.

Gute Manieren sind gefragt – „Knigge“ für Jugendliche

Aus Gesprächen mit den Schulleitungen der Frankfurter Förderschulen kam sehr deutlich zum Ausdruck, dass bei ihren Schülerinnen und Schülern, in puncto Manieren, Umgangsformen und deren ungeschriebenen Codes, sowie im Auftreten gegenüber Fremden, erhebliche Defizite bestehen. Insbesondere wird dies bei denen, die aufgrund ihrer qualifizierten schulischen Leistungen einen Hauptschulabschluss oder sogar einen Realschulabschluss schaffen, zum nicht übersehbaren Haupthindernis in ihrem beruflichen Einstieg, resp. im beruflichen Fortkommen gesehen. Diese Defizite auszugleichen, kann die Schule aus vielerlei Gründen nicht leisten.

Die Berner Stiftung hat sich nunmehr vor dem Hintergrund dieser Erkenntnis an ein Thema gewagt, welches seither nur in sogenannten besseren Kreisen seit Jahren gepflegt wird. In allen großen Organisationen werden jungen aufstrebenden Mitarbeitern, bevor sie eine neue Aufgabe übernehmen, die ungeschrieben Regeln und Codes des guten Benehmens in speziellen Seminaren beigebracht.

Warum nicht auch ein Seminar für Schülerinnen und Schüler der Frankfurter Förderschulen?

Seit 2016 bietet die Berner Stiftung Schülerinnen und Schülern der Frankfurter Förderschulen in den Räumen der Villa Bonn der Frankfurter Gesellschaft und im Grandhotel Hessischer Hof, unter der Leitung von Herrn Mikael Horstmann, dem Kurator des Deutschen Museums für Kochkunst und Tafelkultur, einen Etikette-Kurs an.

Foto: Berner-Stiftung

In unverkrampfter nobler Atmosphäre werden die jungen Schülerinnen und Schüler in die Grundregeln moderner Umgangsformen und geltenden Benimmregeln eingeweiht. Es bilden sich Teams und üben das Erlernte in Rollenspielen praktisch ein. Eingestreute kleine Wettbewerbe lockern immer wieder die umfangreiche Wissenstabelle guten Benehmens auf, ein feines und elegantes Mittagessen bildet den Höhepunkt des Tagesseminars.

Mit einer solch überwältigenden Resonanz aus den Schulen haben wir nicht gerechnet. Auch das Interesse von Presse, Rundfunk und Fernsehen hat uns überrascht. Offensichtlich hat die Berner Stiftung hier ein mit großem Interesse beladenes Thema angepackt, da die Defizite im Benehmen Jugendlicher immer offenkundiger werden und trotz aller Beschwichtigungen in einer multikulturellen Gesellschaft insbesondere im beruflichen Fortkommen einen noch immer hohen Stellenwert einnehmen.

Foto: Berner- Stiftung

Foto: Berner- Stiftung

Der Etikette-Kurs der besonderen Art

Ein Seminar haben wir für die FEM Mädchenzuflucht durchgeführt. Ohne hier ins Detail zugehen, kam das Seminar aufgrund einer Kooperation mit der Maren Heidemann Stiftung aus Frankfurt am Main - auf Veranlassung der FEM-Administration - zustande.

An einem Septemberwochenende 2016 fand der Nachmittagskurs für die FEM unter besonderen Sicherheitsaspekten statt. Die Damen, alle kurz vor dem Abitur stehend, alle nett gekleidet, im „kleinen Schwarzen“ haben bei der Veranstaltung im Hessischen Hof viele Erkenntnisse mitgenommen und den Nachmittag und Abend voll genossen. Wenn Herr Horstmann um 20.30 nicht zum Aufbruch aufgefordert hätte, da das Hotel die Räumlichkeiten noch anderweitig für einen späten Empfang nutzen wollte, wäre die Session ins Unendliche gegangen.

Für die Berner- Stiftung ein weiterer Beweis, dass das Projekt „Gutes Benehmen ist gefragt“ nicht nur für Förderschüler ausgelegt ist, sondern für alle Schulgruppen ein essenzielles Thema darstellt.

Das hier hinterlegte Foto von einem eingedeckten, aber sonst verwaisten Tisch dokumentiert noch einmal die Problematik, mit der die Mädchen aus der FEM Mädchenzuflucht fertig werden müssen.

Wir danken der Maren Heidemann Stiftung für die finanzielle Unterstützung in unserem Projekt „Gutes Benehmen ist gefragt“ sehr herzlich.

Foto: Berner- Stiftung

Insgesamt hat die Berner Stiftung 2016 sieben Seminare durchgeführt. Schülerinnen und Schüler aus den Abschlussklassen der Kasinoschule, in Frankfurt-Höchst, aus der Johann Hinrich-Wichern-Schule, Frankfurt-Eschersheim und aus der Charles Hallgarten Schule Frankfurt-Bornheim, nahmen daran teil.
Für die Stiftung war es ein wirklicher Kraftakt, sowohl finanziell als auch personell. Ein so großes Projekt hatten wir seither unter der alleinigen Regie der Berner Stiftung bisher noch nicht durchgeführt. Der überwältigende Erfolg hat uns jedoch bewogen, auch im kommenden Jahr Benimm-Seminare anzubieten. Wir haben schon begonnen, Kooperationspartner zu suchen und essenzielle „Nachahmer“ zu finden. Alleine können wir die große Nachfrage der Schulen nicht bewältigen, weder materiell noch personell.